Zwanzigzwanzig – eine erste Zwischenbilanz zum Qualitätspakt-Lehre-Projekt am Fachbereich SW

Das hochschulweite Projekt „Studium Integrale und kontinuierliche Qualitätsverbesserung“ begleitet seit Oktober 2011 auch den Fachbereich Sozialwesen. Nach gut 8 Jahren stehen nun Veränderungen an. Am 31.12.2020 endet das Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Qualitätspaktes Lehre“ (QPL) gefördert wurde. Bereits zum Ende Januar 2020 verabschiedet sich Projektmitarbeiterin Franziska Krieg, die das Projekt seit Beginn am Fachbereich Sozialwesen ausgestaltet hat. Dies soll Gelegenheit für eine Zwischenbilanz sein.

Was bleibt, was geht, was kommt?

Projekte bringen immer den geballten Fokus auf die Bearbeitung von Themen, für die der Alltag vielleicht zu wenig Raum bieten würde. Mit dem Abschluss eines Projektes stellt sich unweigerlich die Frage: Was kommt danach..!?

Fakt ist: Vieles wurde durch dieses Projekt am Fachbereich Sozialwesen erreicht, verankert, etabliert und hat dem Fachbereich Stück für Stück einen Mehrwert gebracht. Der Fokus lag dabei auf der Entwicklung von integrativen Studienangeboten und der Optimierung und Etablierung qualitätsverbessernder Maßnahmen und bestehender Prozesse. Einige Beispiele wollen wir weiter unten zeigen. Inwiefern die erreichten Maßnahmen am Fachbereich nachhaltig sind, hat viele Einflusskomponenten. Wichtig dafür ist in jedem Fall ganz pragmatisch der Wunsch und Wille zur Fortführung am Fachbereich, denn „Wo ein Wille ist…“ Und so wird ein Stück weit auch die Zeit zeigen, was vielleicht auch wieder gehen wird, was kommt und was Fortbestand hat.

Kontinuierliche Qualitätsverbesserung

Qualitätsverbesserung ist ein Kern des Projektes und egal wo – immer könnte etwas verbessert werden und doch gibt es Momente, in denen besonders viel angestoßen wird. Die interne Fachbereichsevaluation, die 2012 über das Projekt durchgeführt wurde, hatte im besonderen dazu geführt, Maßnahmen zu entwickeln, um Verbesserungen am Fachbereich zu bewirken.

Ziele, die damit verbunden waren, sind unter anderem Kommunikationswege zu verkürzen und Informationen leichter zu Verfügung zu stellen, den Fachbereich in der Innen- und Außenwirkung authentischer und transparenter darzustellen und mit alldem mehr Service zu bieten.

Auf der Ebene der Kommunikation und Information sind so in den vergangen Jahren Schritt für Schritt z. B. Newsletter, Newsblog und eine verbesserte Webseitenstruktur entstanden und wurden sukzessive optimiert und mit Leben gefüllt. Aber auch FAQs für Studierende und Studieninteressierte wurden entwickelt und sollten Fragen, die immer wieder an verschiedenen Stellen auftreten, gebündelt erfassen. Betroffene kommen damit leichter an entsprechende Antworten und Mitarbeiter*innen werden entlastet, wenn nicht mehr alle Fragen persönlich gestellt müssen – so bleibt mehr Zeit für die Beantwortung individueller Fragen.

Aber auch die tägliche Arbeit zwischen den Kolleg*innen wurde vereinfacht. So nutzen Mitarbeiter*innen und Professor*innen des Fachbereiches inzwischen ganz selbstverständlich die Möglichkeit, an gemeinsamen Dokumenten zu arbeiten. Ein zentrales PC-Laufwerk im Intranet ermöglicht dies und erleichtert so die Zusammenarbeit und den Zugang zu strukturierten Informationen. Zusätzliche interne Prozessbeschreibungen zu verschiedenen Themen unterstützen die tägliche Arbeit.

Zur Verbesserung der Lehrbedingungen wurde auch ein Weg gesucht, neue Kolleg*innen am Fachbereich schneller und besser zu integrieren, um ihren Stress beim Neustart zu mindern und ihnen einen leichteren Einstieg zu ermöglichen. Ein Puzzlebaustein dazu ist ein Willkommensheft, das für Lehrbeauftragte und professorale Lehrende für den Fachbereich entwickelt wurde. Es enthält wichtige Informationen zu Prozessen und Strukturen des Fachbereiches, die sich so manche*r Kolleg*in noch hart erarbeiten musste. Gerade für Lehrbeauftragte, die zum Teil nur mit einer Veranstaltung am Fachbereich vertreten sind, ist das eine hilfreiche Stütze. Das Heft dient auch als Vorlage für die weiteren Fachbereiche der EAH, so dass eine hochschulübergreifende Umsetzung möglich ist.

Studium-Integrale – Integrative Lehrangebote

Neben strukturellen Themen ist ein weiterer Schwerpunkt die Entwicklung von über den Fachbereich bzw. über den Studiengang übergreifende Angebote, insbesondere die Entwicklung von Studium-Integrale-Modulen.

Studium Integrale hat zum Ziel, über den Tellerrand des eigenen Studienganges zu schauen, offener zu werden für andere Sichtweisen und Herangehensweisen, Vorurteile abzubauen und an Themen und Projekten zu arbeiten, welche die reale Welt stärker einbeziehen. So sind Projekte im Arbeitsleben zumeist nicht zu dem jeweiligen Fachgebiet trennscharf behandelbar.

Viel Energie musste im Projekt darauf verwendet werden, nach Möglichkeiten der Zusammenarbeit zu suchen, die mit den jeweiligen Strukturen der Fachbereiche vereinbar ist, da diese an der Ernst-Abbe-Hochschule fachbereichsspezifisch sind. Damit ist die Anrechnung von Prüfungsleistungen genauso gemeint, wie Anzahl der Credits oder SWS in einem Modul.

Im Rahmen der Reakkreditierungen für den Bachelor- und den Masterstudiengang „Soziale Arbeit“ konnten durch Umstrukturierung des Curriculums schrittweise Wahlpflichtmodule in den Ordnungen neu eingeführt werden. Diese Module sind so konzipiert, dass die Zusammenarbeit mit anderen Studiengängen und anderen Fachbereichen ermöglicht/erleichtert wird. Zudem geben wir damit dem ständigem Thema „Individualisierung“ im Studium wieder ein Stück mehr Raum, indem Studierende die Modulwahl stärker nach ihren Interessen treffen können.

Der Fachbereich Sozialwesen hat so bis heute 9 fachbereichsübergreifende Bachelormodule auf den Weg gebracht, die in Zusammenarbeit mit Betriebswirtschaftlern, Wirtschaftsingenieuren, Maschinenbauern, Pflegewissenschaftlern und Informationstechnikern eine differenzierte Palette insbesondere von Projekten ermöglicht hat – von der Untersuchung von Arbeitsplätzen (u. a. diverse Belastbarkeitsmessungen und Analysen) bis hin zur Teilnahme an einem Wettbewerb im Rahmen des Projektes „Zukunftswerkstatt“, in Kooperation mit Accenture.

Im Sommersemester 2020 wird erstmalig ein fachbereichsübergreifendes Modul im neu reakkreditierten Masterstudiengang „Soziale Arbeit“ zum Thema „Nachhaltigkeit“ mit dem Fachbereich Betriebswirtschaft angeboten, mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit in der Lebens- und Wirtschaftsweise. Das Modul wird gemeinsam von Prof. Dr. Michael Opielka (SW) und Professor Dr. Thomas Sauer vom Fachbereich Betriebswirtschaft durchgeführt.

Blicken wir nun auf durchgeführte Module im Studium Integrale, so brachten die zugehörigen Evaluationen oft ähnliche Aussagen: Zuweilen sind solche Module zwar etwas aufwendiger, aber die Teilnehmenden erkennen und beschreiben klar den Mehrwert in Form der Zusammenarbeit und des Austausches mit einem anderen Fachbereich. Das Verstehen unterschiedlicher Denkmuster und „Sprachen“ ist das, was Vorurteile abbaut und Brücken baut.

Damit eröffnen diese Module den Weg zu komplexeren Projekten, die in einer Black Box des eigenen Studienganges so nicht möglich würden. Die Kreativität, die damit einhergeht und das Denken, das damit gefördert wird, unterstützt die Entwicklung der Studierenden noch mehr dazu, sich in der ständig wandelnden Gesellschaft behaupten zu können.

Neben solchen integrativen Modulen, die entwickelt wurden, rückt das Projekt den Blick auch auf weitere die jeweiligen Fachbereiche übergreifenden Lernangebote. Dazu entwickelte und organisierte ein Teil des hochschulweiten Projektteams zum Thema „Nachhaltigkeit“ im späten Frühjahr 2019 eine fachbereichsübergreifende Ringvorlesung. Es beteiligten sich Professor*innen aus den Fachbereichen Betriebswirtschaft, Elektrotechnik/Informationstechnik, Gesundheitswissenschaften, Wirtschaftsingenieurwesen und natürlich Sozialwesen mit Prof. Dr. Lakemann und Prof. Dr. Opielka. Von der FSU Jena konnte zudem der Soziologe Prof. Dr. Dörre gewonnen werden. Die öffentliche Vorlesungsreihe sorgte für viel Gesprächsstoff. Es entstanden Beiträge hier im Blog und in der Hochschulzeitung „Hochschulzeitung Facetten“, Nr. 39 (Seiten 9-11 & 22-23). Zudem wurden einige Vorträge in Kooperation mit der FSU aufgezeichnet und sind als Videobeitrag online frei zugänglich veröffentlicht.

Brücken bauen

In der Summe aller Maßnahmen wird deutlich, dass nicht nur der jeweilige Fachbereich von seinen Projektmitarbeiter*innen profitiert, es wurden im Projekt auch über die Fachbereichsgrenzen hinweg Brücken gebaut, um gemeinsam die Qualität von Studium und Lehre zu verbessern.

Wir wünschen uns, dass dieser Austausch zwischen Lehrenden, Studierenden und Mitarbeitenden unterschiedlicher Fachbereiche in Gesprächen, Modulen, Projekten und Veranstaltungen fortgeführt wird. Für eine im besten Sinne integrative Hochschule.