Prof. Dr. Felix Wilke

Projekte

Die Nichtinanspruchnahme von Grundsicherungsleistungen. Welche Rolle spielt die soziale Einbettung?

Projektverantwortlicher: Prof. Dr. Felix Wilke, Fachbereich Sozialwesen, Ernst-Abbe-Hochschule Jena

Projektlaufzeit: 20 Monate

Projektförderung: Das Projekt soll im Rahmen des „Fördernetzwerks Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung“ des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales gefördert werden.


Forschungsinteresse
Um Grundsicherungsleistungen nach dem SGB II und SGB XII zu erhalten, müssen diese aktiv beantragt werden. Simulationsmodelle legen nahe, dass etwa 40 % (SGB II) bzw. 60 % (SGB XII) der anspruchs­berechtigten Personen keine entsprechenden Leistungen beziehen. Das Forschungsprojekt geht der Frage nach, warum Menschen so häufig auf eine Inanspruchnahme von Grundsicherungsleistungen bei Arbeits­losigkeit bzw. Grundsicherungsleistungen im Alter und bei Erwerbsminderung verzichten.
Im Forschungsprojekt wird neben den bisher in der Literatur diskutierten Faktoren, wie Informationsdefizite oder Ängste vor Stigmatisierung, insbesondere die soziale Einbettung im Kontext der Nichtinanspruchnahme beleuchtet. Die soziale Einbettung betrifft einerseits die Rolle sozialer Netzwerke bei der Informations­weitergabe und soziale Unterstützung sowie andererseits den Einfluss wohlfahrtsstaatlicher Bezugsnormen.

Umsetzung
Das Projekt ist als Mixed-Methods-Design aus quantitativer und qualitativer Erhebung konzipiert. Im quantitativen Teil wird ein Innovationsmodul zur Nichtinanspruchnahme des SOEP-IS in der Welle 2020 ausgewertet. Es enthält Itembatterien zu wohlfahrtsstaatlichen Einstellungsmustern sowie zu Gründen der Nichtinanspruchnahme. Analysiert werden neben Informationsproblemen, Zugangsproblemen, Stigmatisie­rungsängsten und Vorbehalten im Umgang mit Behörden auch verschiedene Ebenen der sozialen Einbettung. Im qualitativen Untersuchungsteil werden mittels eines theoretischen Samplings leitfadengestützte Inter­views mit anspruchsberechtigten Personen durchgeführt. Entlang der Dimensionen städtisch/ländlich und der altersbedingten Zugehörigkeit zum Rechtskreis SGB II bzw. SGB XII werden ca. 25 Interviews erhoben und analysiert. Der Feldzugang erfolgt vorrangig über niedrigschwellige Angebotsstrukturen im Raum Thüringen. Die Auswertung der qualitativen Interviews erfolgt in Anlehnung an die dokumentarische Methode.

Relevanz
Im Ergebnis wird das Projekt das Verständnis über die Beweggründe für Nichtinanspruchnahme von Grundsicherungsleistungen in Deutschland substanziell erweitern und damit auch wichtige Hinweise zur Verbesserung des Zugangs zu Grundsicherungsleistungen liefern. Zur nachhaltigen Sicherung der Ergebnisse werden Projektergebnisse auf nationaler und regionaler Ebene mit relevanten gesellschaftlichen Akteuren diskutiert.